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Rennradsättel selbst bauen? Wie kommt man auf die Idee?

Jedes Jahr flüchte ich im Februar / März nach Mallorca zum Radeln, und jedesmal tut mir nach spätestens einer halben Stunde der Hintern weh, und ich gehe dann häufig aus dem Sattel oder mache eine Pause.

Mallorca - San Macia

Mallorca - Son Macia

Im letzten Jahr beschloss ich endlich, selbst einen Sattel zu bauen, der eine Eigenfederung hat und zusätzlich etwas gepolstert ist mit hochwertigem Zellgummi. Mit dem Polster (3 mm) hab ich schon vor Jahren meinen Brooks Sattel auf dem Trekking Rad “entschärft”. Der ist seitdem für mein Gesäß tadellos.

Broocks

Brooks

Mit den unterschiedlichen Geweben wie Glasfaser, Kevlar, Carbon etc. hab ich seit über 30 Jahren Erfahrung. Das fing mit dem Bau von Surfboards an. Die waren damals um Welten besser als das, was auf dem Markt erhältlich war. Heute lohnt sich das nicht mehr, das Angebot an Serienboards ist überwältigend und hochwertig.

Im Hotel auf Mallorca fing ich an zu zeichnen, wie der Sattel aussehen soll. Die Sattelschale soll sich dem Hintern anpassen, also etwas nachgeben oder flexen. Zeichnen war mein Beruf, ich bin Architekt im (Un-)Ruhestand. Ich hab mich im Netz über Sättel informiert und mir das Riesenangebot der Hersteller angesehen. Meinen Sitzknochenabstand kannte ich noch nicht, da musste ich mich auf ein Stück Wellpappe setzen, um ihn messen zu können. Ich hab dann statt meiner Zeichnungen einen Sattel im Internet bestellt, dessen Form in etwa meinen Vorstellungen entsprach. Der wurde modifiziert, etwas in der Länge gekürzt und die Outline reduziert. Irgendwie hielt ich mich an den Satz eines berühmten Kollegen: Less is more. Am Anfang hatte ich noch nicht den Ehrgeiz, extrem leichte Sättel zu bauen. Aber auf das Gewicht habe ich schon von Beginn an geachtet. Das hab ich noch vom Surfboardbau im Blut. Deshalb - und weil ich keine Quelle fand, wo ich Sattelstreben beziehen kann – musste ich auch die Rails selbst herstellen.

MAX Sattel ungepolstert

MAX Sattel ungepolstert

Während das Laminieren der Sattelschalen von Anfang an prima von der Hand ging musste ich beim Bau der Gestelle reichlich Lehrgeld zahlen. Die waren mühsam herzustellen und hielten dann nur bedingt. Auf dem Renner hielten sie länger, auf meinem Crosser gabs dann bald einen Knacks. Durchbrechen können weder Sitzschale noch die Rails, aber wenn es knackste, dann saß ich nicht mehr so stabil wie vorher. Ich hatte schon überlegt, ob ich Carbonsättel aus China orden sollte und deren Gestelle verwende. Aber mir widerstrebt der dadurch entstehende Müll.

MAX Sattel in Arbeit

MAX Sattel in Arbeit

Heute hab ich die Fertigung der Gestelle endlich im Griff. Ich hatte schlicht und einfach das vorhandene Carbongewebe für die Sattelschalen auch für die Rails verwendet, und das ist dafür ungeeignet. Inzwischen hab ich Carbongelege, also Carbonfasern, die nicht gewebt sondern nur in einer Richtung verlegt sind. Der Aufwand ist nach wie vor beträchtlich, die Gestelle zu bauen. Aber immerhin klappt es jetzt, und sie sind stabil.

SattelMAX - Gestelle

SattelMAX - Gestelle

Nachdem der erste Sattel fertig war kam die Testfahrt. Inzwischen war ich in Italien, wo wir unseren Urlaub verbringen. Am Gardasee, oberhalb von Limone, in Tremosine. Dort kann ich praktisch vor'm Haus aufs Rad steigen, was hier in Hamburg unmöglich ist. Es war unglaublich! Obwohl ich hohe Erwartungen hatte war ich sofort begeistert. Bei den Architekten bzw. Designern gibt es den Begriff Handschmeichler bei Türgriffen, die man gern anfasst. Hier kam mir sofort der Begriff Poschmeichler in den Sinn. Die Ortsdurchfahrten (Porphyrkleinpflaster und Schlaglöcher) waren kein Thema mehr, während ich früher dort gern aus dem Sattel ging. Ich war begeistert.

Überzeugt von dem Komfort hab ich mir gedacht, dass ich auch andere Radler mit empfindlichen Gesäßen begeistern kann. Mein Freund und Ironman Helmut z.B. aus der Augsburger Ecke zieht jedesmal mehrere Radhosen übereinander an. Schon hab ich einen Abnehmer. Aber wie finde ich Interessenten? Ich hab den Werdegang der Sättel im www.radforum.de dokumentiert und dort auch einen Mutigen gefunden, der den ersten Sattel gekauft hat. Er teilte meine Begeisterung und will jetzt einen zweiten. Obwohl er seinen Sattel schon früh bekam, als die Sattelstreben noch nicht ausgereift waren. 500 Kilometer hielten sie bei ihm. Er schickte mir dann einen alten Sattel mit intakten Rails, und die verpflanzte ich unter seinen MAX-Sattel, nachdem ich meine Rails entfernt hatte. Ich hatte ihm ohnehin angeboten, den Sattel bei Nichtgefallen zurückzunehmen. Das mache ich grundsätzlich.

SattelMAX - Ledersättel schwarz

SattelMAX - Ledersättel

Ein Aufruf im Radforum zum Spenden alter Sättel mit tauglichen Streben verlief leider mehr oder weniger erfolglos. Nachdem ich – auch in Italien – einige Sättel gebaut hatte, musste ich mich nun ernsthaft um Abnehmer kümmern. Zuerst meldete ich mich in weiteren Rennradforen an, um von meinem Projekt zu berichten. Bei www.rennrad-news.de fand ich sehr freundliche, konstruktive Unterstützung. Von dort kam die Anregung, eine Homepage zu erstellen, um gezielt potenzielle Kunden zu erreichen. Nun bin ich gespannt, ob das auch klappt. Natürlich ist jeder Hintern anders, und es gibt Eisenärsche, die können auf jedem Sattel stundenlang sitzen, ohne Beschwerden zu bekommen.
Zurzeit hab ich nur die eine Sattelgröße und Sattelform, passend für einen Sitzknochenabstand von 12 cm +/-1 cm. Ich habe zwar Anfragen erhalten, ob ich auch Sättel für Frauen baue bzw. Spezialsättel für Triathleten mit einer Geierschnabelnase. Mit Damensätteln habe ich mich bisher nicht auseinandergesetzt. In Zukunft werde ich mich auch mit Damensätteln sowie breiteren Sätteln für Männer mit größerem Sitzknochenabstand beschäftigen.